08.08.2012 09:41

Freiwilligenarbeit muss gefördert werden

Leider engagieren sich immer weniger Menschen freiwillig. Der Staat könnte ehrenamtlich Tätige auf verschiedene Art unterstützen. Ein Forumsratikel von Elisabeth Augstburger und mir.

Würdigung der unbezahlten Arbeit

Elisabeth augstburger, Liestal/BL ANNEMARIE PFEIFER, Riehen/BS

Die Baselbieter Landrätin (links) und die Basler Grossrätin (beide EVP) fordern konstruktive Unterstützung von Freiwilligeneinsatz.

Tausende Kinder geniessen ein spannendes Programm mit Pfadfindern oder Jungscharen in der Natur. Im Sportverein werden Jugendliche trainiert und beschäftigt, Betagte werden unterstützt von Nachbarn und Familie. Kirchen leisten für Jung und Alt grossen freiwilligen Einsatz. Dies kann der Staat nie abgelten, aber er kann das Engagement fördern und würdigen.

Rückgang. Ehrenamtliche Arbeit ist tragender Teil der Gesellschaft. Laut dem Bundesamt für Statistik beträgt der Wert unbezahlter Arbeit in der Schweiz rund 215 Milliarden Franken. Leider ist das Engagement aber am Schrumpfen, wie einer Studie von Benevol zu entnehmen war: Der Anteil freiwillig Engagierter bezüglich Gesamtbevölkerung im informellen Bereich gehe seit 2006 von 37 auf 30 Prozent zurück. Die Gründe: starke Beanspruchung durch den Beruf, vermehrter Rückzug ins Privatleben, nur noch kurzfristige Engagements.

Viele freiwillig Engagierte leisten Arbeit aus innerer Überzeugung, als eine Art Hobby. Gut so. Trotzdem kann der Staat dies unterstützen. Sportvereine können Turnhallen günstig benützen, gemeindeeigene Räume werden günstig abgegeben und so weiter. Etliche Kantone und Gemeinden berücksichtigen bei Bewerbungen und zur Einteilung in Besoldungsstufen die freiwillig erworbenen Kompetenzen. Heute spricht man auch von Corporate Volunteering, wenn Unternehmen oder Gemeinden ehrenamtlich Tätige unterstützen – mit Infrastruktur oder Aktivitäten innerhalb der Arbeitszeit. Laut Angaben des Arbeitgeberverbandes engagieren sich rund 42 Prozent der KMU in diesem Bereich.

Zeitspenden. Viele Menschen unterstützen gemeinnützige Organisationen mit Geldspenden, die sie von den Steuern abziehen können. Warum kann man «Zeitspenden» nicht abziehen? In den letzten Jahren wurde in etlichen Vorstössen in Kantonsparlamenten gefordert, der Gegenwert für freiwillig geleistete Arbeit solle von den Steuern abgezogen werden können. Diese Arbeit sollte man in ein Formular schreiben und durch ein Vorstandsmitglied des Vereins bestätigen lassen können. Zur Vereinfachung würden Standardlohn und Höchstsumme festgesetzt.

Freiwilliger Einsatz geschieht meist im Verborgenen. Dieses grosse Engagement muss jedoch sichtbar gemacht werden. Ein gutes Beispiel ist die Verleihung des Schappo-Preises in Basel. Einzelne Gemeinden danken ehrenamtlich Tätigen mit einem Fest. Hoffentlich werden auch dieses Jahr viele motiviert zum Einsatz für die Gemeinschaft, indem sie merken, dass dies eine grosse persönliche Bereicherung ist und ganz einfach Spass macht.

Gegenwert für freiwillig geleistetes Engagement sollte von den Steuern abgezogen werden können.

 BaZ vom 27.01.2011

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