Diakonissen und Adullam planen neues Geriatriespital (BaZ)

Riehen soll weiter eine Spitalversogrung haben - wenigstens in der Geriatrie. Das Diakonissenhaus Riehen unterstützt die Planung für einen Neubau durch das Adullam. Die BaZ berichtet am 04.08.2010

Diakonissen wollen ein neues Spital

MISCHA HAUSWIRTH, Patrick Künzle

Die Riehener Schwesterngemeinschaft fühlte sich Jahrzehnte dem Geist der Krankenpflege verpflichtet. Jetzt plant sie mit einem neuen Geriatriespital die Tradition fortzusetzen.

Der erste Eindruck, der sich dem Besucher im ehemaligen Gemeindespital aufdrängt: Es ist ungemein leer. Fast wie in einem Geisterhaus. Am Empfang wartet eine Frau auf Besucher, in der Cafeteria sitzen zwei Krankenschwestern an einem Tisch. Steigt man die Treppen im Gebäude hinauf, begegnet einem kaum jemand. Es hallt in den Gängen. Im zweiten Stock sitzt ein älterer Mann im Eingangsbereich der Geriatrieabteilung, fast als hätte man ihn vergessen.

Das Gesundheitszentrum Riehen, seit Januar als Spitalersatz im Gebäude einquartiert, musste in den vergangenen Wochen mangels Patienten seine Leistungen reduzieren: Der Operationssaal wurde bereits im März geschlossen, vergangene Woche wurde bekannt, dass auch der 24-Stunden-Notfalldienst eingestellt wird. Per Ende Jahr verlässt die Hausärztin Vreny Kamber mit ihrer Praxis das Gebäude. Die Kommunität der Diakonissen war immer Eigentümerin des Spitals und sorgt sich nun, dass die 150-jährige Tradition nicht weitergeführt werden kann.

FINANZIERUNG OFFEN. Ende März 2011 fällt das Spital zurück an die Diakonissenkommunität, nachdem die Gemeinde den Spitalbetrieb 30 Jahre lang im Baurecht gewährleistete. Im alten Spitaltrakt ist ein Teil des geplanten geistlich-diakonischen Zentrums vorgesehen: Der oberste Bereich soll Gästen zur Verfügung stehen und eine Besinnungszone aufweisen, dann folgen zwei Stockwerke, welche die Diakonissen als Wohnraum für Schwestern nutzen, zuunterst soll eine Begegnungszone mit Cafeteria entstehen. Diakonissen-Oberin Schwester Doris Kellerhals: «Der Verlust des Notfallservices ist ein herber Schlag.»

Damit Riehen in Zukunft zumindest über ein Geriatriespital verfügt, strebt die evangelische Schwesterngemeinschaft einen Neubau an der Schützengasse Ost an, weil der bestehende Spitalbau erdbebensicher gemacht werden müsste. Eine aufwendige, komplizierte und teure bautechnische Investition. Da wäre ein Neubau auf dem Areal der heutigen Diakonissen-Kinderkrippe und des Pflegeheimes wesentlich einfacher – und vor allem weniger kostspielig. Die Kommunität möchte, dass das neue Geriatriespital bis in vier Jahren bezogen werden kann.

Die für Gesundheit und Soziales zuständige Riehener Gemeinderätin Annemarie Pfeifer(EVP) steht einem Neubauprojekt positiv gegenüber. Sie sieht darin die Chance, auch einen Notfallbetrieb einzurichten.

Die Frage, wer den Bau finanzieren soll, bleibt vorläufig offen. Die Stiftung Adullam will noch entscheiden, ob und in welcher Form sie sich an einer Bauherrschaft beteiligen will; im August finden dazu Gespräche statt. Adullam betreibt derzeit in Riehen die Geriatrieabteilung, eine jener Dienstleistungen im Spitalgebäude, die gut laufen – wie auch die Physiotherapie oder die Hebammenpraxis.

Die Stiftung Meconex, die Betreiberin des Gesundheitszentrums, schliesst eine Beteiligung an den Baukosten aus, kann sich aber vorstellen, ihr heutiges Engagement fortzuführen. Wie weit dies gewünscht sein wird, ist unklar, denn im Moment laufen auf politischer Ebene Bestrebungen, Meconex den Leistungsauftrag zu entziehen (siehe Artikel unten).

Pfeiferist überzeugt, dass «problemlos ein Investor für den Bau gefunden» werden kann. Konkrete Interessenten gebe es allerdings noch keine, sagt sie.

früher mit spenden. Geschichtsbücher dokumentieren eine lange Riehener Spitalgeschichte, die eng verknüpft ist mit den Diakonissen und ihrem Vorsatz, für Invalide und Kranke zu sorgen.

1871 bezogen die Diakonissen ihr erstes Spital, das Gebäude, in dem sich das heutige Mutterhaus der Kommunität befindet. Um bessere Hygienebedingungen und mehr Platz zu schaffen, liessen die Diakonissen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein neues Gebäude errichten. Einweihung war 1907. Die Baukosten beliefen sich auf 700 000 Franken, der Architekt hiess Eduard Vischer. Das Geld für das Spital stammte aus einer Spendenaktion, Gönnerbeiträgen sowie einer Hypothek.

Da für die Einrichtung der Kinderkrankenzimmer das Geld fehlte, veranstalteten die Diakonissen einen «Bazar». Auch nötige Investitionen wie die Beschaffung einer Röntgeninstallation mussten unmittelbar nach dem Bau zurückgestellt werden.

Die Idee, Schwestern für die Krankenpflege auszubilden, hatte für die Diakonissen lange Priorität. «Die Diakonissen dürfen sich rühmen, in einem der besteingerichteten Schulspitäler unseres Landes ihren Beruf zu erlernen», heisst es in «Hundert Jahre Diakonissenanstalt Riehen, 1852–1952».

Im Spital unterhielt die Kommunität bis 1973 eine Schwesternschule und im Moosrain eine Schule für Pflegerinnen. 1939 wurde das Spital ausgebaut, weil es immer mehr Patienten gab. Nach dem Zweiten Weltkrieg zeichnete sich die Entwicklung zum Pflegespital ab, welche sich die nächsten Jahrzehnte fortsetzten sollte: Das Spital verzichtete wegen der Nähe zu den Spitälern in der Stadt auf eine Aufrüstung in allen medizinischen Bereichen.

1962 kam es zu einem Wendepunkt: Die evangelische Schwesterngemeinschaft teilte den kommunalen und kantonalen Behörden mit, dass die Kommunität das Spital lediglich vier Jahre weiterführen könne. Die abnehmende Zahl der Schwestern belastete die Gemeinschaft stark und setzte dem Grundsatz der Pflegetradition ein Ende.

Ein Jahr länger. 1980 übernahm die Gemeinde Riehen das Spital, 2008 lief der Vertrag aus. Riehen verlängerte um ein Jahr, um sich Raum für eine Entscheidungsfindung zu schaffen, ob die Gemeinde finanziell in der Lage sei, den Spitalbetrieb für weitere 30 Jahre zu gewährleisten.

Der Riehener Gemeinderat verzichtete 2009 auf eine Vertragsverlängerung und besiegelte damit das Ende des Spitals. Ob die Diakonissen auch für einen weiteren Spitalbau treibende Kraft sein werden, wird sich zeigen.

stichwort

Diakonissen. Das Diakonissenhaus Riehen ist eine evangelische Kommunität mit diakonischem Auftrag. Die Schwestern leben in einer verbindlichen Lebens-, Glaubens- und Dienstgemeinschaft und orientieren sich in der Lebensform an den Regeln des katholischen Benedikt-ordens. Der Alltag der Diakonissen ist bestimmt von Beten und Arbeiten, Seelsorge und Fürbitte. Die Schwestern wollen durch ihr Leben und ihre Gemeinschaft ein Zeichen der Hoffnung setzen.hws

 



Kontakt

Annemarie Pfeifer

Chrischonaweg 50
CH - 4125 Riehen


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