05.08.2008 21:30

Eltern unterstützen statt strafen

Erschienen in der Basler Zeitung vom 5. August 2008

Immer wieder erschüttern Berichte über Gewaltakte von Jugendlichen die Bevölkerung. Nun wird die verstärkte Verantwortung der Eltern diskutiert. Doch löst der Ruf nach Bussen für säumige Eltern das Problem? Die Gewaltakte von Jugendlichen sind ein Signal. Dem könnte man  ähnlich wie in der Drogenproblematik mit einem Dreistufenmodell begegnen: Prävention, Unterstützung und als erst letzte Konsequenz repressive Massnahmen.

Prävention. 

Die Aufgabe als Eltern erscheint für junge Menschen zunehmend unattraktiv. Die Unterstützung durch den Staat ist verglichen mit andern europäischen Staaten gering. Dazu kommt eine wachsende Unsicherheit in Erziehungsfragen. In der Erziehungsberatung erlebe ich immer wieder, dass Eltern nicht wissen, wie sie einem Dreikäsehoch wirkungsvoll Grenzen setzen können. Dabei beginnt Gewaltprävention schon bei Kleinkindern. Schon die Knirpse sollen täglich erfahren, dass es Grenzen gibt und dass deren Überschreitung sofort zu unangenehmen logischen Folgen führt.

Wer Glück hatte in einem intakten Elternhaus aufzuwachsen, kann wenigstens von positiven Rollenmodellen profitieren. Was aber geschieht in den andern Familien? Schon ab dem Kindergarten sollten bei auffälligen Kindern die Eltern  einbezogen und gezielt im Setzen von Grenzen unterstützt werden. Erst recht brauchen Eltern von Teenies Hinweise zur Erziehung. Die Kampagne „Stark durch Erziehung“ ist ein guter Anfang.

Unterstützung.

Kinder kosten Geld. In den EU-Staaten erhalten Eltern ein Erziehungsgeld, das sie entweder für familienergänzende Betreuung oder auch als Entgelt für die selbst geleistete Erziehungsarbeit verwenden können. Die Kosten für Kinderbetreuung sind nicht oder nur sehr beschränkt abzugsfähig, was der Steuergerechtigkeit zuwiderläuft. Der Kanton Zug hat als erster Kanton grosszügige Steuerabzüge für Kinderbetreuung auch für selbsterziehende Eltern eingeführt. Nur zögerlich werden in den Schulen familienfreundliche Tagestrukturen eingeführt. 45% der Kinder werden über Mittag und nach der Schule nicht betreut!

Gewalt ist oft ein Ausdruck von Frustration. Angebote zur beruflichen Eingliederung, wie sie etwa die Jobfactory bietet, sollen weitergeführt werden. Jugendliche sollten ohne Unterbruch etwas zu tun und sinnvolle Perspektiven haben, denn jede spätere Eingliederung ist schwierig.

Eigenverantwortung.

Jugendliche sind ein wertvoller Teil der Gesellschaft. Mit Rechten und Pflichten. Es macht deshalb Sinn, dass sie für Sachbeschädigungen gerade stehen, bei Littering  zu Arbeitseinsätzen in der Stadtreinigung aufgeboten, bei Übergriffen mit einem Rayonverbot belegt werden usw. Gleichzeitig muss neben dieser Eigenverantwortung der Jugendlichen auch den Eltern klar sein, dass sie bis zur Volljährigkeit ihrer Kids für sie Verantwortung tragen.

 

 

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